Ehrlichkeit und so.

Oder: Dass es leicht ist, hat keiner gesagt!

Ich bin manchmal ein bisschen nervig, oder?

Du kriegst von mir in fast jedem Beitrag zu hören, dass Du Dein Leben in die Hand nehmen, die Opferrolle ablegen und endlich den Hintern hochkriegen sollst.

Oder, dass Du Dir Gedanken machen sollst, was Du eigentlich willst, und ein paar Entscheidungen treffen sollst, um endlich das Leben zu leben, dass Du Dir selbst für Dich wünschst.

Du sollst echt ganz schön viel.

Und dann werde ich noch nerviger und schwärme Dir auch noch davon vor, wie toll mein Leben doch ist, seit ich die Entscheidung getroffen habe, mich nicht mehr von anderen beeinflussen zu lassen und meinen eigenen Weg zu gehen.

Aber klingt es nicht einfach nur traumhaft, wenn ich sage, dass ich heute mein wennichimlottogewinnenwürde- Leben lebe?
Und, dass ich sogar das daswollteichimmererreichen- Leben lebe?

Hach, ja, ich bin echt nervig.

Und jetzt ist es an der Zeit, dass ich ehrlich zu Dir bin:

das alles war und ist verdammt anstrengend!

Warum ich Dir das jetzt erzähle?

Weil mir letztens jemand gesagt hat, bei mir würde das alles so einfach aussehen, ich wäre ja so stark und mir würde das alles, worüber ich hier berichte, ja so leicht fallen.
Ich würde meine Entscheidungen einfach treffen, machen was ich will und eigentlich wären die letzten Monate (oder inzwischen Jahre) ein Spaziergang gewesen.

Schön, wenn ich so auf andere wirke – aber das ist absoluter Blödsinn!

Denn an den Punkt zu kommen, an dem ich heute bin, ist in erster Linie verdammt anstrengend, unangenehm und furchteinflößend gewesen.
Und es ist heute und bis auf Weiteres verdammt anstrengend, unangenehm und furchteinflößend.
Ich wage sogar zu behaupten, dass das Leben immer ein bisschen anstrengend, ein bisschen unangenehm und ein bisschen furchteinflößend sein wird.
Zumindest solange ich Ziele habe, die ich in meinem Leben erreichen will.

Und ich möchte Dir hier auf stopstoppingyourself. auf keinen Fall etwas anderes vermitteln.

Alle diese nervigen ToDos, Denkanstöße und Tritte in den Hintern, die Du von mir kriegst, habe ich selbst erledigt, ergrübelt und ertragen – und oft auch gebraucht.

Ich habe gezweifelt, geweint und geflucht, abgewogen, überlegt und gegrübelt.
Und ich habe Angst vor meiner eigenen Courage, unzählige schlaflose Nächte und viel Bauchweh gehabt.

Klingt das für Dich nach einem Spaziergang?

Vielleicht muss ich etwas mehr ins Detail gehen:
Es ging mir vor ein paar Jahren so schlecht, dass ich in meinem Leben keinerlei Perspektive gesehen habe. Mein Lebensmut und meine Lebensfreude waren einfach nicht mehr da und ich musste sehr hart darum kämpfen, die beiden Stück für Stück wieder zu finden und wieder zu spüren.

Als es mir langsam besser ging, habe ich angefangen mich damit auseinander zu setzten, wie ich eigentlich mein Leben leben will und was ich tun muss, um dieses Ziel zu erreichen.
Ich habe Seminare besucht, Bücher gelesen und Klarheits- und Achtsamkeitskalender geführt, mich mit meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandergesetzt und auf diesem Weg brutal ehrlich zu mir sein müssen. (Du kannst Dir sicher vorstellen, dass das nicht immer schön war.)

Nachdem ich die Richtung festgelegt hatte, habe ich Entscheidungen getroffen und dabei Menschen in meinem Umfeld verletzt und sogar meine Beziehung riskiert.
Ich habe finanzielle Einbußen, wenig Schlaf und wenig Zeit für meine Freunde und Familie in Kauf genommen. (Und tue dies bis heute.)

Ich musste jede Menge lernen: vom Nein-sagen über Programmiersprache und Selbstmotivation bis zum Kritik ertragen und für mich nutzen. (Ich lerne übrigens immer noch.)

Ich habe Steine aus dem Weg geschafft, Hürden genommen, neue Wege entdeckt, Probleme gelöst und unzählige Male gehört „dass man das nicht macht“.

Und auch heute mache ich jede Menge Fehler, verzettle mich in einer Tour, will gelegentlich alles hinwerfen und manchmal wird mir einfach alles zu viel und ich kann mich dann selbst nicht leiden.

Ich habe vor zwei Jahren nicht mal im Geringsten damit gerechnet, was da alles auf mich zukommen könnte und wie schmerzhaft und anstrengend ein selbstbestimmtes Leben ist.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich vielleicht gekniffen.

Hätte, hätte Fahrradkette – hab ich aber zum Glück nicht, denn mein Leben, so wie es heute ist, ist das alles wert.

Ok, vielleicht habe ich auch einfach wirklich unverschämtes Glück und viel Hilfe gehabt – oder am Ende doch genau zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung getroffen und dann mit meinen Fähigkeiten und meiner Persönlichkeit überzeugt – ich werde es wohl nie erfahren.

Fakt ist, ich hätte vor ein paar Jahren nicht daran geglaubt, dass ich heute den einen Job machen darf, den ich so liebe, den anderen Job machen darf, den ich immer wollte und nebenbei das machen darf, wovon ich immer geträumt habe.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ein tolles Zuhause, einen so tollen Ehemann (oder überhaupt einen Ehemann) und einen so tollen Freundeskreis haben werde.

Und Fakt ist auch: das ganze war und ist verdammt anstrengend und schwierig!

Und Dein selbstbestimmtes Leben ist jede Anstrengung wert!

Also – hier Dein obligatorischer Tritt in den Hintern – Los jetzt!
Du musst es nur machen!


Ehrlich!

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